„Sturmvogel“ Maxim Gorki. Szenische Lesung früher Erzählungen des Freundes von Anton Tschechow aus den stürmischen Zeiten um 1900
Es lesen die Theaterkünstlerin Erica Risch und der Schauspieler Jürgen Reitz, eine historische Einführung erfolgt durch den Slavisten Heinz Setzer.
Gorki, acht Jahre jünger als Tschechow, wurde zur literarischen Leitfigur einer rebellischen Generation, die für eine aktive Überwindung des gesellschaftlichen Stillstandes im Russischen Reich der Jahrhundertwende eintrat.
In Gorkis frühen Erzählungen ist es der starke und mutige Einzelne, der sich seine Freiräume gegen die Enge der zaristischen Autokratie erkämpft. Diese sozialkritisch-romantischen Erzählungen brachten Gorki den Beinamen „Sturmvogel“ ein. Bis zum Untergang der Sowjetunion 1991 galt Gorki als Tschechows literarischer Erbe und Überwinder. Nach 1991 geriet er im Gegensatz zu Tschechow auf die Liste missliebiger, weil sozialistisch geprägter und nicht mehr zeitgemäßer Autoren, seine Rezeption in Russland, vor allem aber in Westeuropa kam weitgehend zum Erliegen. Dass diese Sicht nicht dem ganzen Gorki gerecht wird, insbesondere nicht in seiner Frühzeit, in der er freundschaftlich mit Tschechow verbunden war, sollen die gelesenen Texte nachvollziehbar machen.